LV Niedersachsen und Bremen - Bremen beendet Musical-Abenteuer

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27.04.2010

Bremen beendet Musical-Abenteuer

Öffentliches Engagement verschlingt 58 Millionen Euro Steuergeld

Nach elf Jahren vergeblicher Bemühungen um einen Durchbruch auf dem Musical-Markt zieht Bremen ein Schlussstrich. Zum Ende Februar 2011 steigt die Hansestadt aus dem Musical-Betrieb aus und kündigt den Mietvertrag für das Musical-Theater am Richtweg. Ein Abenteuer, das mit 58 Millionen Euro zu Buche schlägt.


Quelle: Musical Theater Bremen (www.musicaltheater-bremen.de)
Das Trauerspiel begann Ende der neunziger Jahre, als sich Bremen für den Umbau des ehemaligen Zentralbades am Richtweg (später Markthalle und zuletzt Adresse einer Diskothek) zu einem Musical-Theater für die Inszenierung „Jekyll und Hyde“ entschied. Eine Zeit, zu der sich ein Abflauen des Booms bereits abzeichnete. Ungefähr 28 Millionen hat der Umbau des in Privateigentum befindlichen Gebäudes gekostet, vorfinanziert über eine städtische Gesellschaft. Binnen 20 Jahren sollten die Umbaukosten durch Mieteinnahmen von dem Musical-Betreiber zurückfließen.

Nach Abschluss der Umbauarbeiten wurde die Musical- Spielstätte im Februar 1999 mit der Premiere des geplanten Dauermusicals „Jekyll und Hyde“ eröffnet. Die langfristig angelegte Produktion musste jedoch wegen fehlender Wirtschaftlichkeit vorzeitig abgesetzt werden. Das nachfolgende Musical „Hair“ brachte ebenfalls nicht den erhofften Erfolg, sondern ging sogar pleite. Kurze Zeit später zog für zwei Jahre das Theater Bremen ein, weil das Haus am Goetheplatz grundlegend renoviert wurde. Seit Juli 2004 liegt der Betrieb des Musical-Theaters in den Händen der städtischen WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH (ehemals HVG Hanseatische Veranstaltungs-GmbH). Hierfür wurde das Gebäude für circa 420.000 Euro p.a. gemietet und an Veranstalter weitervermietet.

Die Ergebnisse der WFB aus dem Musical-Geschäft waren jedoch alles andere als zufriedenstellend. Laut Presseangaben erwirtschaftete die Gesellschaft im Schnitt ein jährliches Defizit von rund 550.000 Euro. Darüber hinaus sind die erhofften positiven regionalwirtschaftlichen Effekte durch die Musical-Investition nicht eingetreten. Um die Belastungen aus dem Musical-Abenteuer zu begrenzen, hat Bremen nun den Musical-Vertrag zum Ende Februar 2011 gekündigt. In den Folgejahren fallen dann immerhin die jährlichen Mietzahlungen von 420.000 Euro und das Betreiberrisiko weg. Allerdings muss noch bis ins Jahr 2018 der Kapitaldienst von 2,26 Millionen Euro für den kreditfinanzierten Umbau gezahlt werden.

Der Gesamtaufwand Bremens für das Musical-Abenteuer, das der Bund der Steuerzahler von Anfang an scharf kritisiert hat, liegt laut Wirtschaftsdeputation in etwa bei 58 Millionen Euro. Was bleibt ist nur der schwache Trost, dass mit dem Ausstieg aus dem Musical-Geschäft nicht noch mehr Steuergeld verspielt wird.

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