Gemeinden drehen an Steuerschraube
Bund der Steuerzahler veröffentlicht Untersuchung zu Steuerhebesätzen aller niedersächsischen GemeindenFür die Grundsteuer B (bebaute und bebaubare Grundstücke außer land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundstücken) hat der Bund der Steuerzahler einen durchschnittlichen Hebesatz aller 1022 niedersächsischen Gemeinden von 344 Prozent im Jahr 2008 ausgemacht. Für ein frei stehendes Einfamilienhaus mit einem Einheitswert von 60.000 Euro sind demnach 603,68 Euro Grundsteuer B zu zahlen. Ein Hebesatz von 420 Prozent, wie er etwa in Wolfsburg, Cuxhaven und Hameln im Jahr 2008 galt, schlägt mit 737,05 Euro jährlicher Grundsteuer B zu Buche. Das sind im Vergleich zum niedersächsischen Durchschnitt 133,37 Euro mehr.
Stünde das Einfamilienhaus in einer Gemeinde mit einem Hebesatz von 300 Prozent, wie etwa in Cremlingen (Landkreis Wolfenbüttel), Rastede (Landkreis Ammerland) oder Wardenburg (Landkreis Oldenburg), müssten die Eigentümer 526,46 Euro im Jahr bezahlen. Das wären 77,22 Euro weniger als der niedersächsische Durchschnitt. Zwischen dem höchsten und niedrigsten Wert (Hebesatz 530 Prozent bzw. 250 Prozent) ergibt sich eine maximale Spanne von 491,37 Euro für das Musterhaus mit einem Einheitswert von 60.000 Euro.
Der Vergleich in Euro und Cent bei der Gewerbesteuer zeigt ebenfalls enorme Belastungsunterschiede. Bei einem steuerpflichtigen Gewerbeertrag einer Kapitalgesellschaft von 100.000 Euro wären im Jahr 2008 in den Städten Salzgitter, Hildesheim und Oldenburg jeweils 14.350 Euro jährliche Gewerbesteuer (Hebesatz 410 Prozent) fällig. Das entspricht einer Mehrbelastung von 2.380 Euro verglichen mit dem niedersächsischen Durchschnitt (11.970 Euro bei einem Hebesatz von 342 Prozent). Wäre der Gewerbebetrieb in einer Gemeinde mit einem Hebesatz von 310 Prozent wie z.B. Seevetal (Landkreis Harburg) oder Visbek (Landkreis Vechta) angesiedelt, würde eine Gewerbesteuer von 10.850 Euro erhoben, 1.120 Euro weniger als beim Durchschnittshebesatz. Somit wäre die Gewerbesteuer in Salzgitter, Hildesheim und Oldenburg um 3.500 Euro höher als in Seevetal und Visbek. Der maximale Unterschied der Gewerbesteuer (Hebesatz 460 Prozent, wie in der Stadt Hannover, zu 270 Prozent, wie in Groß Berßen, Klein Berßen und Werpeloh aus dem Landkreis Emsland) beträgt 6.650 Euro.
Beim Blick auf die Hebesatzänderungen seit dem Jahr 2004 fällt auf, dass die Grundsteuer A, die von Land- und Forstwirten zu zahlen ist, in der kleinen Gemeinde Zernien (Landkreis Lüchow-Dannenberg) mit 340 Prozentpunkten landesweit am stärksten angehoben wurde, so dass der Hebesatz im Jahr 2008 stolze 680 Prozent betrug. 2004 bis 2007 galten noch 340 Prozent. In der Gemeinde Frankenfeld (Landkreis Soltau-Fallingbostel) stieg der Grundsteuer B-Hebesatz im Betrachtungszeitrum um 180 Prozentpunkte auf 520 Prozent. In der Gemeinde Kirchseelte (Landkreis Oldenburg) wurde der Gewerbesteuerhebesatz zum Jahr 2008 um 130 Prozentpunkte auf immerhin 380 Prozent angehoben.
Die ausführliche Auswertung inkl. Musterbeispielrechnung und alle Daten der 1022 niedersächsischen Kommunen zu den jeweiligen Grund- und Gewerbesteuerhebesätzen zum Download.



