LV Niedersachsen und Bremen - "Erlebniswelt Renaissance" darf kein Fass ohne Boden werden - Landkreise müssen Notbremse ziehen


06.11.2006

"Erlebniswelt Renaissance" darf kein Fass ohne Boden werden - Landkreise müssen Notbremse ziehen

Der Bund der Steuerzahler kritisiert das Tourismus-Projekt "Erlebniswelt Renaissance" (EWR) in Hameln. Die EWR drohe für die Steuerzahler zu einem Fass ohne Boden zu werden. Erneut werde eine millionenschwere Finanzspritze aus öffentlichen Kassen nötig, um die kommunale Projektgesellschaft vor dem Konkurs zu retten. Die an dem Tourismus-Unternehmen beteiligten Landkreise Hameln-Pyrmont (Anteil 60 %), Schaumburg (25 %) und Holzminden (15 %) müssten jetzt die Notbremse ziehen. Weitere Steuergelder zur Abdeckung des aktuellen Haushaltsloches von 1,34 Millionen Euro dürften nur fließen, wenn endlich ein realistisches und tragfähiges Ausstellungskonzept vorliege.

Wie der Bund der Steuerzahler berichtet, schreibt die 14 Millionen Euro teure, aus EU- und Landesmitteln geförderte "Erlebniswelt Renaissance" im Hochzeitshaus der Stadt Hameln und weiteren fünf Standorten im Weserbergland seit Eröffnung im September 2005 rote Zahlen. Auf Grund technischer Schwierigkeiten mit der komplizierten elektronischen Besucherführung blieben die Gäste und damit die Einnahmen deutlich hinter den Erwartungen zurück. Anstelle der avisierten 185.000 Besucher fanden in den ersten 12 Monaten nur 20.000 den Weg in die Multimedia-Schau, bei der die Besucher mit Hilfe von Hightech-Inszenierungen und visuellen Effekten eine Zeitreise in die Renaissance unternehmen. Um die kommunale Gesellschaft erstmals vor der Pleite zu retten, erhöhten die drei Landkreise Ostern 2006 ihre Bürgschaftsverpflichtungen gegenüber der EWR um 750.000 Euro auf 3,4 Mio. Euro. Vor rund drei Monaten tat sich ein weiteres Finanzierungsloch in Höhe von einer Million Euro auf, das vom Land Niedersachsen (500.000 Euro) und den kommunalen Anteilseignern (500.000 Euro) gestopft wurde. Mit dieser millionenschweren Finanzspritze sollte nach Bekunden der Verantwortlichen der "letzte Versuch" unternommen werden, den Geschäftsbetrieb und die Liquidität der EWR bis Ende 2007 zu sichern. Doch nur wenige Wochen später taucht jetzt erneut ein unerwarteter Ausgabenblock in Höhe von 1,34 Millionen Euro auf. Dieser Betrag beruht im Wesentlichen auf erfolgte Abschlagszahlungen an den im Jahr 2005 insolvent gegangenen Generalunternehmer. Entsprechende Leistungen habe die EWR nicht erhalten, so dass jetzt Doppelzahlungen erforderlich würden.
Nach den ursprünglichen Plänen sollte sich das kommunale Unternehmen selbst tragen und zudem die bis zur Eröffnung angefallenen und über Kredite finanzierten Vorlauf- und Vorfinanzierungskosten sukzessive refinanzieren. Von diesen großspurigen Plänen sei nicht mehr viel übrig geblieben, kritisiert der Bund der Steuerzahler und warnt zugleich vor einem "Dauersubventionsempfänger EWR".


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