LV Niedersachsen und Bremen - 170,50 Euro aus der Steuerkasse für einen Theaterbesuch in Bremen!


14.09.2015

170,50 Euro aus der Steuerkasse für einen Theaterbesuch in Bremen!

Bund der Steuerzahler kritisiert niedrige Kostendeckungsgrade bei niedersächsischen und bremischen Theatern

Dem Bund der Steuerzahler Niedersachsen und Bremen zufolge hält die hohe Dauersubventionierung der Theaterlandschaft zwischen Ems und Elbe ungebrochen an. An die neun Häuser in Niedersachsen seien Zuweisungen und Zuschüsse in Höhe von knapp 156,6 Millionen Euro in der Spielzeit 2013/2014 geflossen. Die beiden Spielstätten in Bremen und Bremerhaven profitierten von insgesamt 39,7 Millionen Euro Subventionen. „Die Theaterfinanzierung ist eine freiwillige Aufgabe der öffentlichen Hand, die den Steuerzahler nicht unzumutbar belasten darf“, kommentiert der BdSt-Landesvorsitzende Bernhard Zentgraf die Zahlen aus der neuesten Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins. Auch der öffentliche Kulturbereich müsse sich wirtschaftlichen Anforderungen stellen und durch höhere Entgelte, Kooperationen oder Zusammenschlüsse seinen Subventionsbedarf drosseln. Insgesamt 1,86 Millionen Menschen besuchten 2013/2014 die Aufführungen der bremischen und niedersächsischen Theater.

Mit durchschnittlich 102,43 Euro sei in der letzten Spielzeit jeder Theaterbesuch in Niedersachsen aus der Steuerkasse bezuschusst worden. Demgegenüber hätten im Schnitt nur 20,38 Euro aus anderen Einnahmequellen, vornehmlich aus Ticketverkäufen, erlöst werden können. Dieser geringe Kostendeckungsgrad von 16,6 Prozent werde in Bremen noch deutlich unterboten. In dem finanzschwachen Stadtstaat seien nur 11,9 Prozent der Theaterausgaben durch eigene Betriebseinnahmen gedeckt worden. Dies ist im bundesdeutschen Vergleich der zweitniedrigste Wert hinter dem Saarland. Das Theater Bremen wurde mit durchschnittlich 170,50 Euro pro Besuch bezuschusst und gehört damit zu den zehn hochsubventioniertesten Spielstätten Deutschlands. Demgegenüber kostete die Steuerzahler das Stadttheater Bremerhaven mit einem Zuschuss von 92,79 Euro pro Besuch vergleichsweise wenig.

Besonders teuer sind auch das Niedersächsische Staatstheater in Hannover (134,83 Euro Zuschuss pro Besuch), das Oldenburgische Staatstheater (131,29 Euro) und das Staatstheater Braunschweig (125,16 Euro). Relativ günstig für die öffentliche Hand sind neben der Landesbühne Niedersachsen Nord (40,62 Euro), die ebenso wie das Theater für Niedersachsen (71,88 Euro) vor allem auf Gastspiele setzt, noch das Schlosstheater in Celle (54,90 Euro) sowie das Theater Lüneburg (61,43 Euro).

Die Kostendeckungsgrade bewegten sich im Einzelnen zwischen 10,7 Prozent (Theater Bremen) und 27,6 Prozent (Landesbühne Niedersachsen Nord). Der Bund der Steuerzahler weist darauf hin, dass die Unterschiede bei der Wirtschaftlichkeit auch von dem Spartenangebot abhängen. So sei eine Oper schon aufgrund der großen Anzahl von Orchestermitgliedern mit besonders hohen Personalkosten verbunden. Bei den Eintrittspreisen werde aber der Abstand zum Schauspiel niedriger gehalten. Somit wiesen Theaterunternehmen mit Oper in der Regel geringere Kostendeckungsgrade auf als Theater, bei denen das Schauspiel dominiert.

Der Bund der Steuerzahler mahnt insgesamt einen wirtschaftlicheren Betrieb der Theater an. Dies könne beispielsweise durch eine stärkere – auch länderübergreifende – Zusammenarbeit der Spielstätten erreicht werden. „Wären Bremen und Niedersachsen ein Bundesland, würden sicherlich keine knapp 50 Millionen Euro Steuergelder pro Jahr in die Häuser in Oldenburg und Bremen fließen“, gibt Zentgraf mit Blick auf ungenutzte Kooperationsmöglichkeiten zu bedenken. Neben Kostensenkungen müsse auch eine angemessene Erhöhung der Eintrittspreise ins Auge gefasst werden. „Es ist nicht ohne Weiteres einzusehen, dass sich die Theater- und Opernliebhaber ihren Genuss zu einem übergroßen Teil von der Allgemeinheit bezahlen lassen. Das ist auch eine Gerechtigkeitsfrage“, meint Zentgraf abschließend.

Hier finden Sie die tabellarischen Übersichten zum Theater-Vergleich für Niedersachsen und Bremen in der Spielzeit 2013/2014.


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