LV Niedersachsen und Bremen - Faule Professoren in Clausthal?

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25.07.2017

Faule Professoren in Clausthal?

Rechnungshof stellt zahlreiche Verstöße gegen Lehrverpflichtungen fest

Das Arbeitsethos hauptamtlicher Universitätsprofessoren unterscheidet sich vermutlich nicht wesentlich vom Rest der Staatsdiener. Neben Fleißigen tummeln sich auch an den Hochschulen etliche Faule. Der Niedersächsische Landesrechnungshof prüfte, wie es um die Einhaltung der Lehrverpflichtungen steht. Dabei sticht die Technische Universität Clausthal im Harz im negativen Sinne besonders hervor.

Neben der Forschung gehört die Lehre zu den Kernaufgaben der Professoren. An Universitäten beträgt deren Umfang als Mindestlehrverpflichtung zurzeit neun Lehrveranstaltungsstunden (LVS) pro Woche in der Vorlesungszeit eines Semesters. Unter die LVS fallen Vorlesungen, Seminare, Übungen, Kolloquien und Betreuungstätigkeiten für Studienabschlussarbeiten. An Fachhochschulen gilt eine Regelzahl von 18 LVS. Abweichungen sind möglich, etwa um andere Funktionen an den Hochschulen auszugleichen oder um auf den wechselnden Bedarf in den Semestern reagieren zu können.

An der mit rund 4.800 Studierenden eher kleinen, aber traditionsreichen TU Clausthal lehren insgesamt 85 Professoren, hauptsächlich in den Ingenieur- und Naturwissenschaften. Die Überprüfung von sechs Studienjahren (2010 bis 2016) hat nun ergeben, dass

- Professoren in 38 Fällen die Mindestlehrverpflichtung - auch bei Berücksichtigung einer möglichen ungleichen Verteilung über mehrere Semester - nicht erfüllten,
- acht Professoren davon ihre Mindestlehrverpflichtung sogar mehrfach unterschritten,
- ein Professor im Jahr 2016 mit einem Defizit von 71 LVS aus dem aktiven Dienst ausschied und in den Ruhestand trat, was einer nicht erbrachten Lehrleistung von nahezu acht Semestern entspricht,
- sich zwei weitere Professoren ebenfalls mit Lehrdefiziten in den Ruhestand verabschiedeten,
- drei Professoren trotz fehlender Genehmigungen ihre Lehrverpflichtungen eigenmächtig reduzierten, teilweise bis zur Hälfte der regulären LVS-Zahlen.

In Clausthal wurde also die Verordnung über die Lehrverpflichtung an Hochschulen (LVVO) ausgesprochen lax gehandhabt. Auch an anderen Universitäten stellte der Rechnungshof Rechtsverstöße fest, nicht jedoch in der Intensität wie in Clausthal. Viele Universitäten sehen grundsätzlich von einer Überprüfung der Lehrtätigkeit ihrer Professoren ab. Sie begründen dies zum Teil damit, dass die Deputatserfüllung der freiwilligen Selbstkontrolle der Professoren unterliege. "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" wusste schon Lenin. Und so rügt der Rechnungshof, dass sich das Ministerium für Wissenschaft und Kunst als Rechtsaufsicht in dieser Frage "einen schlanken Fuß macht". Regelmäßige Berichtspflichten über die Erfüllung der Lehrverpflichtungen von den Universitäten an das Ministerium sind vonnöten. Das Ministerium muss steuern und aufsichtsrechtlich tätig werden, um Fehlentwicklungen korrigieren zu können. Heute fehlen der obersten Behörde in Hochschulangelegenheiten hierfür schlicht die Kenntnisse.

Der Präsident der TU Clausthal erklärte gegenüber dem Bund der Steuerzahler, dass die Defizite überwiegend durch den Wegfall der Studiengänge Geophysik und Geologie entstanden waren. Es war nicht gelungen, betroffene Professoren an anderen Universitäten einzubinden, an denen diese Fächer intensiv gelehrt wurden. Der Bund der Steuerzahler meint dazu: Diese fehlende Flexibilität geht zu Lasten der Steuerzahler und darf sich nicht wiederholen – weder in Clausthal-Zellerfeld noch anderswo!

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